Seekrank oder nicht seekrank, das ist hier die Frage

Julia

Datum: 25.10.2017
Mittagsposition: 53° 30,9‘N, 004° 54,7‘E
Etmal: 82 sm
Wetter: Lufttemperatur: 15°C, Wassertemperatur: 15°C, Wind: SW 6
Autorin: Julia

Heute war ordentlich Seegang, sodass die Zahl der Seekranken nochmal gestiegen ist. Das bedeutet, dass wir uns gegenseitig unterstützen mussten. Dies hat sehr gut geklappt, auch wenn es für die „Seefesten“ mehr Arbeit war. Aber diese zusätzliche Arbeit nahmen die Fitten gerne auf sich, um es den Seekranken so angenehm wie möglich zu machen. Die Aufgaben wie Reinschiff oder Nautischer Unterricht wurden entweder von wenigen durchgeführt bzw. besucht, da das Schiff sich einfach in alle Richtungen bewegte und so alle alltäglichen Aufgaben erschwert wurden.

In meiner Wache heute von 8-11 Uhr hatten wir zwischen 6-7 Beaufort (Name für die Windstärke) und die Wellen schlugen über das Deck. Wenn man dann auf das Vorschiff gehen musste, um die Lose aus den Tampen zu holen (d.h. die Seile festmachen, damit sie nicht im Wind schlackern) und genau in diesem Moment eine Welle über Deck kam, wurde das Ölzeug auf sein äußerstes belastet. Des weiteren wurden auf Achtern (der hintere Teil des Schiffs) jetzt auch Seile gespannt, wie vor zwei Tagen bereits auf dem Hauptdeck. An diesen Seilen kann man sich bei starkem Wellengang festhalten und sich so sicher übers Deck bewegen. Zusätzlich wurden auf dem Hauptdeck an den Seiten Sicherheitsnetze (schauen aus wie Volleyballnetze und werden ein wenig übertrieben auch „Leichenfänger“ genannt) angebracht, damit nichts über Bord geht. Um die nötige Sicherheit für die Leute an Deck zu gewährleisten, wurde die Gurtpflicht ausgerufen, so konnte man sich immer mit einem Karabiner in den gespannten Seilen auf dem Deck sichern. Außerdem wurden alle Schotts an Deck (Türen) geschlossen, damit kein Wasser ins Schiff gelangt.

Ich war heute auch mal am Ruder, diesmal war es aber deutlich schwerer den Kurs zu halten, da wir mit der Thor Heyerdahl durch große Wellenberge und Wellentäler fuhren und immer wenn wir auf dem Wellenberg waren, hatte das Ruder Leerlauf, wodurch der Kurs ständig verbessert werden musste. Was noch deprimierender war, ist, dass wir aufgrund des starken Windes von vorne kaum vorwärts kamen und eher rückwärts fuhren. Dies hat sich aber im Laufe der Nacht gebessert, sodass wir unseren Kurs Richtung Falmouth fortsetzen konnten.

Beim Mittagessen war die Messe wie ausgestorben, es waren nur zwei von sechs Tischen gefüllt und von den Leuten, die anwesend waren, hatten die meisten fast keinen Hunger, obwohl es zweieinhalb Bleche Kartoffelgratin mit Brokkoli gab (es gibt fast jeden zweiten Tag ein Kartoffelgericht, da wir von Eltern eine großzügige Kartoffelspende bekommen haben). Danach legten sich viele nochmal bis zu ihrer Wache hin, um ein bisschen fitter zu werden.

Bei einer Sicherheitsronde (verschiedene Stellen auf dem Schiff werden kontrolliert, um die Sicherheit an Bord zu gewährleisten), mussten wir heute Nachmittag mit einem kleinen Schrecken feststellen, dass wir in der Bilge (Luken im Boden) in der Last (dort ist z.B. die Werkstatt oder die Trockenlast mit unserem ganzen Essen) Wasser haben, welches mit vereinten Kräften von Tobi, Phillip und Malte heraus geschöpft werden musste (ca.30l). Es stellte sich heraus, dass das Wasser, welches über Deck schwappte, in einen der Lüftungsschächte eingedrungen war. Dieser wurde daraufhin geschlossen und somit blieb die Blige danach trocken. Die erfolgreiche Mission unserer drei Helden Tobi, Phillip und Malte wurde danach unter sternenklarem Himmel mit viel Applaus gefeiert.

So turbulent der Tag auch begonnen hatte, fand er doch ein erfreuliches Ende und am nächsten Morgen hatte sich dann auch die Zahl der Seekranken erheblich vermindert. Es geht uns gut und wir grüßen euch herzlich,

eure Julia

PS: Alles Gute zum Geburtstag Papa! Liebe Grüße deine Julia 🙂

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