Adiós y hola

Luca

Datum: Montag, den 20.11.2017
Mittagsposition: 28° 27,9‘ N; 016° 14,7‘ W
Etmal: 0
Wetter: Lufttemperatur: 23,5° C, Wassertemperatur: 22°C, Wind: 0
Autor: Luca

34 Jugendliche rennen in den Supermarkt, räumen Süßigkeitenregale bis auf die letzte Tüte leer und hetzen zur Kasse. 34 Jugendliche sprinten durch St. Cruz bergab und bergauf, warten ungeduldig an Ampeln und machen sich mit Blicken auf die Uhr gegenseitig verrückt. Trotz aller Strapazen kommen alle 34 Jugendlichen pünktlich um 12:45 Uhr am Hafen an. Ist die Besatzung der Thor, trotz Tollwutimpfung, verrückt geworden?

Doch der gerade angereiste Bordarzt Christian kann beruhigen, alle sind gesund und wohlauf. Doch wenn die Crew der Thor Heyerdahl nicht an Rabis erkrankt ist, was bewegt sie dann ein solch komisches Verhalten an den Tag zu legen?

Die Erklärung ist einfach: heute legen wir ab. Für die nächsten drei Wochen befinden wir uns mitten auf dem Atlantik, folgen der Route Humboldts und Columbus‘ in die neue Welt. Wie Humboldt vor ca. 200 Jahren verbrachten auch wir eine Woche auf der kanarischen Insel Teneriffa, bestiegen, wie er, den Teide und beobachteten die Vegetationsstufen. Unser Programm unterschied sich von dem seinen nur durch den Besuch der Deutschen Schule, die Besichtigung der Pyramiden von Güimar und durch die Nutzung der Öffentlichen Nahverkehrsmittel.

Wenn eine Woche mit Programmpunkten so voll gepackt ist, wie die unsere es war, vergehen sieben Tage wie im Flug. Mit einem leicht mulmigen Gefühl saß ich heute beim Frühstück. Dieses ungewöhnliche Gefühl in der Magengegend, wurde mal ausnahmsweise nicht durch den Seegang erzeugt, sondern durch die Tatsache, dass die erste Etappe unserer Reise mit dem heutigen Tage vorbei ist. Ein letztes Mal putzten wir beim Reinschiff in unseren alten Wachen, klarten die neuen Kammern auf und kauften für die nächsten drei Wochen einen riesigen Vorrat an Süßigkeiten, Obst und Knapperzeug.

Kurz nach dem Mittagessen, bei dem einige Schüler durch den Dauerlauf durch die Stadt noch ganz außer Atem waren, verabschiedete sich Ruth (adiós), welche bei der Atlantiküberquerung nicht dabei sein wird. Nach einer kurzen Rede, begrüßte sie Martin (hola), ein ebenfalls neu angereistes Crew- Mitglied und übergab ihm offiziell die Projektleitung.

Als Einschub eine kleine Nautik-Unterrichtsstunde, um das nächste Ereignis besser zu verstehen:
Schiff 1: „tuuuuut-tuuuuut-tuuuuut“
Schiff 2: „tuuuuut-tuuuuut-tuuuuut“
Schiff 1: „tuut“
Schiff 2: „tuut“
Wenn ein Schiff in einen Hafen ein- oder ausläuft, wird als Gruß thyphoniert. Das Typhon ist die durch Druckluft betriebene „Hupe“ eines jeden, etwas größeren Schiffes.

Nachdem Ruth die Thor über die Gangway verlassen und das kleine rote Mietauto bestiegen hatte, typhonierten wir als letzte Verabschiedung. Ruth hupte zur allgemeinen Belustigung zurück.Das klang dann so:
Thor Heyerdahl: „tuuuuut-tuuuuut-tuuuuut“
Ruths kleiner roter Flitzer: „huuuuup-huuuuup-huuuuup“
Thor Heyerdahl: „tuut“
Ruths kleiner roter Fitzer: „huup“
Crew: “hahahahahahahahah“ – allgemeiner Lachkrampf

Als die Bauchmuskeln wieder entspannt waren, hielt Detlef eine Rede über die Bedeutung von Süßwasser mitten im Nirgendwo, auf dem Atlantik, für uns. Außerdem schaffte er ein Bewusstsein dafür, wie wichtig es viele tausend Kilometer entfernt vom nächsten Festland ist, auf Gesundheit und
Sicherheit an Bord zu achten.

Die nächsten zwei Stunden vergingen wie im Flug. Drei Töne („ring-riiiiing-ring“) der Schiffsklingel erklangen und ließen uns das erste Mal für das geplante all hands on deck in den neuen Wachen, auf
dem Hauptdeck, aufstellen. Selbst bei nicht alltäglichen Manövern, wie dem Auslaufen, kehrt auch trotz neuer Wache Routine ein. Und somit verabschiedeten wir uns von Teneriffa und begrüßten den Atlantik, wenn auch mit gemischten Gefühlen.

Denn der Atlantik und die Dauer der Etappe flößen Respekt ein. Aber es wird auch mit Freude auf die vorliegende Etappe geblickt, denn die Chance auf Delphine und Wale erhöht sich und endlich beginnt auch der Unterricht.

Adiós Tenerife y hola Atlántico – Karibik wir kommen!

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