Die Azoren (schneller als gedacht)

Kai

Datum: Mittwoch, der 21.03.2018
Mittagsposition: 38° 24,1‘ N; 029° 16,0‘ W
Etmal: 134,2 sm
Wetter: Lufttemperatur: 18,5°C, Wassertemperatur: 17,5°C, Wind: SSW 4
Autor: Kai

Eigentlich war für heute ein normaler Tag auf See geplant, mit einer POB-Übung (person over board), doch wie es auf See so ist, werden die Pläne letztlich immer von der Natur bestimmt. Und ab und zu meint es die Natur auch gut mit einem. So hatten wir in der letzten Zeit so günstige Segelwinde, dass sich unsere Ankunft in Horta auf Faial / Azoren von Freitag Morgen auf schon heute Abend verschoben hat. So haben wir nach ca. 1800 Seemeilen und ziemlich genau vierzehn Tagen wieder festen Boden unter den Füßen. Aus diesem Anlass will ich mich in meinem Blogeintrag heute auf diese Inseln konzentrieren.

Die Azoren sind ein Archipel mitten im südlichen Nordatlantik, welches aus neun Inseln besteht und zu Portugal und somit zur EU gehört. Die Inseln liegen 1369 Kilometer westlich von Europa und 4382 Kilometer östlich von Amerika und haben eine Landfläche von 2333 Quadratkilometern und insgesamt 245.766 Einwohner. Sie sind eine autonome Region Portugals mit der Verwaltungshauptstadt Ponta Delgada auf der Insel Sao Miguel.

Die Inseln sind geographisch in drei Gruppen eingeteilt: Die westliche Grupo Ocidental, die Grupo Central und die östliche Grupo Oriental. Der Vulkan Pico, welchen wir noch besteigen werden und der auf der gleichnamigen Insel liegt, ist mit 2351 Metern Höhe der höchste Berg Portugals.

Alle Inseln der Azoren sind vulkanischen Ursprungs. Santa Maria, die älteste Insel, ist bereits vor 150 Millionen Jahren entstanden und erst vor 50 Jahren gab es einen kleineren Vulkanausbruch bei Faial, wodurch ein neuer Teil der Insel entstand.

Die größten Wirtschaftszweige der Azoren sind die Landwirtschaft und der Tourismus. Auf den Azoren wird viel Viehzucht betrieben und neben Cornwall sind sie der einzige Ort in Europa, in dem Tee angebaut wird. Touristisch sind die Azoren aufgrund ihres milden Klimas und einem sehr gut gelegenem Zwischenstopp für Atlantiksegler sehr beliebt.

Ihr Klima ist wegen ihrer Lage in der Mitte des Atlantiks sehr ausgeglichen und mild. An 300 Tagen des Jahres scheint die Sonne. Weiter herrschen ganzjährig Temperaturen zwischen 17 und 25 Grad und bei manchen ist der Begriff „Azorenhoch“ bekannter als die Inseln selbst, was von ihrem guten Wetter zeugt.

Die Natur der Azoren erinnert uns aufgrund der weiten Wiesen mit dazwischenliegenden Hecken sehr an Europa und besonders an Südengland, wobei sich zwischen die Hecken und Bäume auch immer wieder Palmen mischen. Da die Azoren so isoliert im Atlantik liegen, gibt es auf den Azoren viele endemische Tier- und Pflanzenarten, welche also nur auf den Azoren existieren. Das Tierreich der Azoren ist sehr maritim geprägt und ein weiterer großer Wirtschaftssektor ist immer noch die Fischerei. Zusätzlich wurden vor ihren Küsten inzwischen über 35 Wal- und Delfinarten gesichtet.

Offiziell wurden die Azoren von dem portugiesischen Prinzen Heinrich dem Seefahrer zwischen 1427 und 1452 entdeckt. Doch gibt es einige Hinweise darauf, dass Europäer auch schon früher die Azoren kannten. So waren sie schon im 12. Jahrhundert in einer arabischen Seekarte eingezeichnet und schon 1351 erschien eine genuesische Karte mit den Azoren. Trotzdem behält Heinrich der Seefahrer hier standhaft den Titel als Entdecker der Azoren, da Portugal als Kolonialmacht den größten Einfluss auf die Azoren hatte, was man noch heute an der Architektur, dem katholisch geprägten Glauben und den Vorfahren der Einwohner sehen kann.

Wie schon oben erwähnt, liegen wir an Faial im Hafen Hortas. Faial ist die fünftgrößte Insel der Azoren und gehört zu der Grupo Central. Der Hafen Hortas ist für Transatlantiksegler, wie uns, eigentlich ein Muss. Denn hier liegt das unter Segler/innen berühmte Peter Café Sport, einer der bekanntesten Seglertreffs, welchen jede/r mal besucht haben will. Letztlich gilt Horta als eins der schönsten Städtchen der Azoren, wovon wir beim Einlaufen schon einen Hauch erahnen konnten und was wir in den nächsten Tagen sicher in vollen Zügen erleben werden.

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