Das Kojenbrettaufhalte-Gerät

Leonie

Datum: 11.04.2019
Autorin: Leonie

Für Kammerumzüge und im Proviant, bei der Suche nach in der Unterkoje verschollenen Kugelschreibern und beim Verstauen von auf Grund des Wetters nicht mehr benötigten Kleidungsstücken: An die Unterkoje muss jeder an Bord einmal, doch nicht immer ist jemand zur Stelle, der einen mit einer helfenden Hand beim Aufhalten des Kojenbrettes, welches die Unterkoje verschließt, unterstützt. Zum Glück haben wir an Bord eine Lösung für dieses Problem gefunden, sie heißt Kojenbrettaufhalte-Gerät.

An Bord der Thor Heyerdahl besitzen wir zwei Kojenbrettaufhalte-Geräte. Eines ist bereits länger an Bord und älter, das andere wurde während unserer Reise gefertigt. Beide Kojenbrettaufhalte-Geräte bestehen aus einem 68,5 cm langen und 7 cm breiten Holzstück. Das Ältere ist graubraun gemasert und 2,5 cm dick. Das zweite besteht aus 1,4 cm dicker Fichte und ist lackiert.

Die eine Seite der Holzbretter ist abgerundet und hat eine dreieckige Einkerbung. An der anderen Seite ist das Holzstück mit Auslassung eines 1 mal 1 cm großen Stückes diagonal abgesägt. Die Aufhalte-Geräte haben an beiden Enden ein Loch, um sie an einen Nagel zu hängen.

Auf das ältere der beiden ist „Das Kojenbrettaufhalte-Gerät“ eingebrannt, während das jüngere von dem Spruch „Du siehst sehr gut aus…“ geziert wird.

Zu finden sind die Geräte in der Last, bei dem Regal direkt rechts neben dem Schott zur Trockenlast. Dort hängen sie an einem Nagel an der linken Wand des Regals. Die genaue Funktion des Kojenbrettaufhalte-Geräts erschließt sich eigentlich schon aus dem Namen. Es wird benutzt, um das Brett, welches zusammen mit der Matratze unsere gemütlichen Kojen bildet, aufzuhalten, wenn man an den darunter liegenden Stauraum der sogenannten Unterkoje muss.

Das Holzstück wird dazu mit der Einkerbung an der abgerundeten Seite auf das Gestell gestellt, welches normalerweise das Kojenbrett trägt und die Hervorhebung an der anderen Seite wird in eines der Löcher des Kojenbrettes geklemmt. Dann steht die Unterkoje offen und man kann alles bequem herausholen.

Das Kojenbrettaufhalte-Gerät gehört selbstverständlich allen an Bord, da jeder einmal an die Unterkoje muss. Trotzdem ist dieses Werkzeug besonders dem Proviant zuzuordnen, da man in diesem Bereich viel an die in Unterkojen gestaute Lebensmittel muss. Aus diesem Gund ist auch unsere Proviantmeisterin Jule Expertin für diesen Gegenstand und konnte mir einige noch offene Fragen beantworten. So erzählte sie mir zum Beispiel, dass das zweite Kojenbrettaufhaltegerät während der ersten Atlantiküberquerung entstanden ist, nachdem sie bei der Verproviantierung auf Teneriffa den Wunsch nach einem Zweiten äußerte. Die Schülerinnen Clara und Lucie erfüllten ihr im Zuge ihres Bootsmannspraktikums diesen Wunsch.

Jule sieht das Kojenbrettaufhalte-Gerät besonders als Symbol dafür, dass im Proviant immer so viel zu tun ist, dass man es nicht alleine schafft. Das Kojenbrettaufhaltegerät ist somit Hilfe, wenn gerade kein anderer Mensch zur Stelle ist. Es steht außerdem für jegliche Arbeit im Proviant, somit auch für Verproviantierungen und die Aufgaben von Praktikanten und Beauftragten im Bereich Proviant, die sich oft mit Hilfe dieses Werkzeuges durch Unterkojen wühlen. Bei dem Durchsuchen der Unterkojen zaubern die Proviantmeister, Praktikanten und Beauftragten oftmals Köstlichkeiten hervor und damit ist das Kojenbrettaufhalte-Gerät auch eines der Gründe, aus denen wir hier an Bord so gut essen. Es sorgt also für volle Mägen und daraus entsteht gut Laune.

Des Weiteren habe ich erfahren, dass das zweite Kojenbrettaufhaltegerät aus einer Europalette
entstand, die auf der ersten Etappe aus dem Meer gezogen wurde. Jule meinte, dies ist ein weiteres
Zeichen dafür, dass an Bord alles weiter verwendet wird und somit in anderer Form und mit anderer
Funktion mehrere Leben hat.

Das Kojenbrettaufhaltegerät ist also nicht nur im Proviant oder bei Kammerumzügen und dem Umstauen von Karibik- und Nordatlantik-Anziehsachen als Hilfe zu finden, sondern auch ein Symbol für die nicht immer menschliche, aber doch immer benötigte Unterstützung und für die Wiederverwendung und Weiterverbreitung von allem, was wir an Bord haben.

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