35 Objekte: Der Nachtwachenkühlschrank – Das wichtigste Objekt vor der Nachtwache

Anna S.

Datum: 18.04.2019
Autorin: Anna S.

Es sitzen zwei Menschen zusammen in der Messe und unterhalten sich. Da fragt die eine Person die andere: „Ich sehe was, was du nicht siehst – und das ist silbern, ca. hüfthoch und einen halben Meter breit.“ Nachdem die andere Person eine Weile überlegen muss, antwortet sie schließlich überzeugt: „Das muss unser Kombüsen-Kühlschrank sein!“ Daraufhin schüttelt die erste Person entrüstet den Kopf und erwidert: „Hmmm, knapp daneben ist auch vorbei. Versuch es doch nochmal, mit einem Gegenstand unter Deck. Tipp: vor allem Wache 1, 2 und auch ab und zu Wache 3 freuen sich sehr darüber, wenn sie ihn öffnen.“ „Ja, na dann ist das ja ein ganz klarer Fall. Dort drüben, der Nachtwachen-Kühlschrank!“ Zufrieden antwortet die andere Person: „Wo du Recht hast, hast du Recht!“

Dieser Nachtwachen-Kühlschrank soll im Folgenden genauer beschrieben werden. Wie bereits erwähnt, ist dieser Kühlschrank etwas ganz Besonderes. Er ist, abgesehen von den schon beschriebenen Merkmalen, immer ca. 5 °C kalt und riecht oft nach kaltem Essen. Zudem hat er eine Lasche, mit der man ihn (wenn man es möchte) entweder leise oder laut öffnen kann. Vor allem die Bewohner von Kammer 9 und 10 wissen es zu schätzen, wenn man ihn leise öffnet bzw. schließt, weil man durch die dünnen Wände der Thor selbst jeden einzelnen Löffel in einer Tasse im Tassenregal hin und her kippen hört.

Er hat insgesamt sechs Schubladen, die alle ihre eigenen Bedeutungen haben. So ist die, die Steuerbord oben ist, für die Getränke des Frühstücks bestimmt. Also lagern dort O-Saft, Milch und Co. Backbord oben, also daneben, ist auch für das Frühstück reserviert, aber dort sind vor allem Marmeladen, Butter und Frischkäse.

In der Backbord mittigen Schublade sind oft verschiedene Dinge, die gekühlt werden müssen, z. B. Wasser in Kanistern oder Brot. Die Schublade daneben, also Steuerbord mittig, ist ähnlich beladen.

Backbord ganz unten sind alle Soßen, wie zum Beispiel Ketchup oder Mayonnaise. Nun, „last but not least“, kommt die Schublade, die in diesem Blog die Hauptrolle spielt. Steuerbord ganz unten befindet sich eine extragroße Schublade, die unseren „Nachtwachenkühlschrank“ darstellt.

Aber das Essen für die Nachtwachen taucht nicht aus dem Nichts auf, sondern die Backschaft des Tages stellt die gesamten Essensreste des Tages, liebevoll in Tupperdosen verpackt, hinein. Standardmäßig befinden sich dort außerdem Käse, Wurst, Brot und Butter. Sehr selten, jedoch sehr beliebt, sind süße Sachen (wie zum Beispiel Grießbrei oder ein Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern), die, sobald sie einmal hinein getan wurden, auch schon sofort danach aufgegessen sind.

Unser Nachtwachen-Kühlschrank-Experte Friedrich hat in einem Interview die Vorteile und Nachteile dieser Einrichtung geschildert. Gute Aspekte des Kühlschranks sind zum einem die Motivation für die Wache, die man bekommt, weil man nicht völlig ausgehungert Wache gehen muss. Zum anderen ist es auch ein schönes Gefühl, etwas speziell Leckeres dort vorzufinden, was die gute Laune nachts, nach dem oft schwerfälligen  Aufstehen zur Wache, um einiges anhebt.

Allerdings sagt Friedrich auch, dass es natürlich nicht unbedingt gut ist, nachts etwas zu essen, ohne sich danach die Zähne zu putzen. Natürlich könnte man nach der Wache sofort noch seine Zähne putzen, aber speziell in Wache 2 ist man am Ende immer so müde, dass man sofort ohne große Umwege den Weg zu seiner Koje antritt. Wache 3 hat es da um einiges besser, weil sie nach der Wache sowieso zusammen frühstückt und somit nichts gegen ein verfrühtes Frühstück (wie zum Beispiel Nudeln mit Tomatensoße) spricht.

Für uns alle spielt der Nachtwachenkühlschrank eine sehr große Rolle im Bordalltag, weil er uns sowohl in der Wache als auch in der Backschaft begegnet.

Ist man in einer Nachtwache, wie Wache 1, die von 23.00 bis 02.00 Uhr Wache hat, oder Wache 2, bei der man von 02.00 bis um 05.00 Uhr Wache hat, so hat man ein gewisses Privileg an diese Schublade zu gehen, weil er, wie ja der Name schon sagt, eigentlich alleinig für die Nachtwachen bestimmt ist. Allerdings ist er auch dazu da, die Reste der letzten Tage wegzubekommen, weshalb es Wache 3 auch erlaubt ist, solange etwas von Wache 1 oder 2 übrig geblieben ist, sich auch am Nachtwachenkühlschrank zu bedienen. Allein Wache 4 sollte sich abends, wenn sie um 23.00 Uhr von der Wache kommt, zurückhalten, weil ja noch etwas für die anderen übrig gelassen werden soll.

Wenn man sich dann an ihm bedient, so muss man die Teller und das Besteck, das man verwendet hat, am Ende der Wache selber spülen, weil sonst die Backschaft am nächsten Morgen schlecht gelaunt ist.

In der Backschaft ist es so, dass man ihn meistens nach dem Mittagessen mit den übriggebliebenen Resten befüllt und dann nochmal nach dem Abendessen, um Brot, Käse und Wurst für den Nachtwachenkühlschrank vorzubereiten. Allerdings darf die nächste Backschaft dann nicht vergessen, dort schon morgens hineinzuschauen, weil ja gegebenenfalls, wenn noch viel von etwas da ist, das nochmal als Beilage zum Abendessen angeboten werden kann.

Das Essen, das dort gelagert wird, muss immer mit einem Datum versehen sein, sodass man erkennen kann, wann ein Gericht leider schlecht geworden ist. Oft ist es aber meistens so, dass das Essen davor schon aufgegessen ist; denn schlussendlich ist so ein kleiner Mitternachtssnack sehr verlockend.

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