Die Geräuschkulisse auf dem Atlantik

Samuel

Datum: Dienstag, 26.11.2019
Mittagsposition: 20°32,1’N, 022°57,9‘W
Etmal: 125 sm
Wetter: Lufttemperatur: 22,5 °C Wassertemperatur: 23,5 Wind: ENE 2
Autorin: Samuel

Ich liege auf dem Deckshaus in der spätmorgendlichen Sonne. Um mich herum: nichts, nur ein dauerhaftes Plätschern der Wellen, die gegen unseren Bug schlagen. Auf einmal kommen zwei Personen vorbeigelaufen und fangen an, alte Kartoffeln über Bord zu werfen: Plumps…plopp…plopp…plumps. Na hoffentlich freuen sich die Fische über das unerwartete Frühstück!

Alles nicht sonderlich aufregend, bis plötzlich von achtern ein Wesen, irgendwas unverständlich vor sich hinredend, angerast kommt. Es ist einer der „Tampenrondler“, der quer übers Deck fegt, dabei jeden einzelnen der 116 Tampen benennt, und irgendwann erhofft er sich dann, dies in einer akzeptablen Zeit zu absolvieren – 5 min wären ein Traum. Wer allerdings den Rekord der letzten KUS Reise brechen will, muss um noch eine halbe Minute schneller sein. Wenn jeder seine Zeit hat, werden die Summen der Wachen verglichen und zum Schluss wird die schnellste Wache zum Tampenmeister gekürt.

Mittlerweile sind weitere drei Tampenrondler an mir vorbeigezogen. Ich müsste auch mal üben, um meiner Wache zumindest nicht zur Last zu fallen. „Backbordbulle Großsegel, Schot Großsegel, Steuerbord Dirk, Steuerbord Dirkblockaufholer,…“ Leise rauschen die Namen der Tampen mit dem Wind um das Deck. Dann wieder eine Zeit lang nur das Plätschern der Wellen.

Vom Achterdeck hört man plötzlich den Wachführer Anweisungen rufen. Es wird wohl wieder ein Segel gesetzt. Man hört Anweisungen, angestrengtes Ächzen der arbeitenden KUSis und letztlich das Schlackern des Segels, bevor es richtig im Wind steht.

Als das Segel oben ist, ruft jemand „Fisch hat angebissen“ und man hört, wie circa 50 Personen aufs Hauptdeck Backbord stürmen, um den geangelten Fisch zu Auge zu bekommen, ein blau schimmernder Koloss, eine Dorade, ganze 96 cm lang.

Als sich die Unruhe wieder etwas gelegt hatte und alle wieder an ihren ursprünglichen Arbeitsort zurückgekehrt sind, ertönt in nicht geringer Lautstärke Musik aus der Kombüse. Aktuell sind das meistens die Bands „Von wegen Lisbeth“ oder „AnnenMayKantereit“. Seit gestern hört man allerdings nur noch die Känguru-Chroniken laufen.

Hier eine Auswahl aus unseren aktuellen Thor-Charts:

  1. Bitch / Von wegen Lisbeth
  2. Marie / AnnenMayKantereit
  3. Känguru Chroniken / Marc-Uwe Kling
  4. Ride / Twenty one Pilots
  5. Kneipe / von wegen Lisbeth
  6. YMCA / Village People
  7. Ein hoch auf uns / Andreas Bourani
  8. Top / Faber
  9. Wenn sie tanzt / Von wegen Lisbeth
  10. Ham kummst / Seiler und Speer

Insgesamt ist Musik an Bord ein wichtiger Bestandteil, seien es Martin und Emil, die bei Sonnenuntergang zu ihren Gitarren singen, Marc Phillip, der im Maschinenraum Geige übt und durch das Oberlicht die Fahrwache beglückt, Emma, die auf der Ukulele spielt, oder eben der laute Mitsang aus der Kombüse. Mitunter kam es auch schon vor, dass aus der Bibliothek die ersten Weihnachtslieder an der Trompete getrötet wurden. Ein interessanter Musikmix an Bord also…

Am Nachmittag dann ein akustisches Highlight! Unser neu gebauter Pool wurde von Detlef eingeweiht. „Flop“ das eine Bein, „Plop“ das andere und dann mit zusammengebissenen Zähnen einmal untergetaucht! Ok, nein so kalt ist es auch nicht, aber es reicht gut, sich von der hitzigen Temperatur runter zu kühlen.

Vom Hauptdeck erklingt nur ein lautes Stöhnen als die frohe Botschaft umhergeht, dass der Pool eingeweiht ist, denn die Unterrichtsgruppe darf natürlich nicht baden. Der Rest aber geht mit Jubelschreien in unserem neuen „BacKUSi“ baden. Zur Erklärung, „BacKUSi“ aus dem Grund, da der Pool auf der Back, dem vordersten Decksteil des Schiffs steht. Zusätzlich haben wir – kreativ wie wir sind – Jacuzzi und KUS in unseren Poolnamen eingebaut. Da ich nun genug für heute gehört habe, werde ich jetzt einmal genüsslich im „BacKUSi“ untertauchen und die Stille genießen!

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