Vier auf einen Streich

schueler.lukasDatum: Mittwoch, der 09.12.2015
Mittagsposition: 14° 28,8′ N; 054° 01,8′ W
Etmal: 121 sm
Wetter: Lufttemperatur: 27,5° C, Wassertemperatur: 27°C, Wind: ENE5-6
Autor: Lukas

Der Tag begann wie jeder andere Tag auf dem Atlantik. Nach einem wunderschönen (und jedem Tag anderen und einzigartigem) Sonnenaufgang wurde wieder Wache gegangen und im Klassenzimmer unter Segeln fleißig Chemie gelernt. In den wenigen freien Minuten sah man überall Leute mit Blöcken und Stiften auftauchen, doch auch das war erklärlich; der Deutschtest zur Lektüre „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf stand kurz bevor.
Bei der morgendlichen Wache hatte ich, pünktlich zum Sonnenaufgang und wie jeden Tag, die Angelleine ausgeworfen. Zum Fischfang gab es auch eine Wette mit Willi, der uns nicht zutraute, bis zu den Azoren zehn Fische zu fangen. Sieben der zehn hatten wir bis dahin gefangen, die meisten davon Doraden, die auf Detlefs Anweisung als Filets in die Tiefkühllast gewandert waren, um sie am Riff für alle zuzubereiten. Nun fehlten also noch drei Fische, dann würde Willi die Angelbeauftragten auf den Azoren zum Fischessen einladen müssen. Soweit bis dahin…
Das gute an meiner Wachzeit von 0500 bis 0800 ist, dass man danach mit der Wache zusammen gemütlich frühstücken kann. Kaum saßen wir aber um den Tisch und hatten uns eine der individuellen Obstsalat-Joghurt-Müsli-Cornflakes-Milch-Kreationen bei der Backschaft abgeholt, da kam von oben der Ruf: „Komm mal hoch! Ich glaub, da ist was dran!“ Kurz darauf war zu hören: „Hol durch die Angelleine, mach den Leichenfänger los und bring den Kescher vom Deckshaus!“ Das war dann wirklich ein guter Grund das Frühstück zu unterbrechen. Als der Fisch dann an Bord war und wir ihn zum Ausnehmen vorbereiteten wurde natürlich von Vinzent oben auf dem Achterdeck die Leine wieder ausgeworfen. Dieses war der erste Streich, und der zweite folgt zugleich.
Neptun musste uns wohl vom letzten Rum bei Besanschot An noch gut gesinnt sein, denn gerade dann schwamm ein Schwarm Fische vorbei. Unter Detlefs wachsamen Augen fierte also Vinzent so schnell wie möglich die Angelleine auf, direkt in den Schwarm. Und wie sollte es auch anders sein, ich wurde ein weiteres Mal von meinem wohlverdientem Frühstück abgehalten.

„Hol durch!“ waren die entscheidenden Wort‘,
Der Fisch im Kescher, dann an Bord,
Alsbald ausgenommen und gekühlt.
Wie sollte es auch anders sein, denn:
Ein Fisch kommt selten allein!
Jetzt waren sie also zu zweit
In der Box, an kühlem Platz
Drunt‘ in der Tiefkühllast.
Dieses war der zweite Streich,
Und der dritte folgt sogleich.

Nachmittags fanden ausnahmsweise zusätzliche Projektetreffen statt. Alle freuten sich auf den früheren Unterrichtsschluss und darauf, in den Projekten das weitere Vorgehen zu besprechen.

Doch als beim Kaffee, kurz davor
Erneut erzitterte die Schnur
Da dacht‘ ich mir: „Jetzt ist’s genug!
Was ist denn das da für ein Spuk!?“
Ran und hoch so wird’s gemacht.
Kaum als der Fisch an Bord gebracht
Kam André an, mit schnellem Schritt
Und brachte noch ein Fischlein mit!
Hurra, der Willi ist besiegt,
Der Detlef hat den Fisch gekriegt.
Dieses war der letzte Streich
An diesem Tag.

Doch schon bald werden weitere folgen…

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