Das Leben als Bootsfrau

Schülerin Louise

von Louise

In der Schiffsübergabe, die jetzt seit einigen Tagen läuft, haben Vicky und ich das ehrenvolle Amt der Bootsleute übertragen bekommen, worüber wir uns beide sehr freuten. An dieser Stelle sollte vielleicht vorab erwähnt werden, wie wir uns unser Leben als Bootsfrauen vorgestellt hatten: Wir dachten, dass wir uns unsere Tage selbst organisieren, anstehende Aufgaben erledigen und einiges dazu lernen würden.

Alles bewahrheitete sich, allerdings in etwas anderer Form, als erwartet. Normalerweise setzen sich die Aufgaben des Bootsmanns aus Routine-, Kontroll- und Wartungsarbeiten sowie Aufträgen, die von anderen Besatzungsmitgliedern gegeben werden, zusammen. Das sind dann meistens Reparaturen jeglicher Art.

Am Abend, kurz nachdem uns das Schiff übergeben worden war, schrieben wir uns also eine To-Do-Liste und hängten sie in die Last. Gleich am nächsten Morgen wollten wir nämlich anfangen. Auf der To-Do Liste standen einige kleinere Sachen, wie zum Beispiel das Auswechseln eines Kneifbändsels, das sich gelöst hatte, aber auch Größeres, wie das Streichen des Ankerspills, das bisher erst grundiert worden war und das bis Greenwich wieder in frischer Farbe glänzen sollte. Hochmotiviert und gespannt auf den nächsten Tag ließen wir uns in unsere Kojen fallen.

Allerdings kam dann einiges anders als gedacht, und das fing schon beim Frühstück an, als wir plötzlich von 10 Leuten angesprochen wurden, die alle ganz wichtige Sachen zu sagen hatten und uns beauftragen wollten. Allerdings stellte sich schon nach zwei Sekunden heraus, dass mindestens 99% der Dinge sehr simpel waren und auch einfach von den eifrigen Schülern selbst erledigt werden konnten.

Wir fingen, der Wetterlage entsprechend, mit den Farbarbeiten am Ankerspill an. Das lief sehr gut. Um die Mittagszeit kam Josef, unser Schülerkapitän auf uns zu: Wir sollten unsere Thor für Greenwich möglichst hübsch machen, was einerseits das Schrubben und Ausflecken des gesamten Decks, aber auch das Flaggensetzen über die Toppen beinhaltete. Somit war unser gerade erst erstellte Plan für die restlichen Tage der Schiffsübergabe bis Greenwich komplett unnütz, weil diese drei Tätigkeiten mehr als genug Zeit in Anspruch nahmen. Den restlichen Nachmittag nutzten wir zum Ausflecken. Am darauffolgenden Morgen fingen wir an, uns Gedanken über die Flaggen zu machen. Dabei gab es ein kleines Problem: Niemand an Bord wusste genau, wie wir das anstellen sollten, wir inbegriffen. Nach einigem Hin- und Herüberlegen, stand unser Plan fest.

Den Tag verbrachten wir mit folgenden Tätigkeiten: Vormittags das Abmessen der Abstände und Zuschneiden der Tampen (insgesamt 100m!!) und Nachmittags haben wir ebendiese Leinen zum Amüsement aller anderen auf dem Hauptdeck gespannt und alle Flaggen daran festgebunden. Das dauerte bis nach dem Abendessen und so verstrich ein weiterer Tag, an dem wir viel über eintöniges Arbeiten und Knoten (insbesondere Palstege) lernten, allerdings nicht zu den Arbeiten gekommen sind, die wir uns ursprünglich vorgenommen hatten.

So ging es noch zwei Tage weiter, bis wir in Greenwich ankamen, allerdings nicht nur mit Flaggen, sondern auch mit erneuten Farbarbeiten und dem Stauen der Ankerkette, die plötzlich nicht mehr in den Kettenkasten reinpassen wollte. Trotz mancher Frustrationswelle, die uns zwischendurch ergriff, sind wir beiden jetzt sehr zufrieden mit dem, was wir geleistet hatten und vor allem erstaunt darüber, was man alles in so kurzer Zeit lernen kann.

Heute sind wir in Greenwich eingelaufen und somit ist die Schiffsübergabe für einige Tage ausgesetzt. Wir alle freuen uns schon sehr auf die weitere Zeit, in der wir zeigen können, was wir bereits können, in der wir auch hoffentlich noch viel dazulernen und (so ganz nebenbei) dazu kommen, unsere Wartungsarbeiten zu erledigen…

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