Atlantiküberquerung = Atlantiküberquerung?

Leon

Genau drei Monate sind vergangen, seit die letzte Atlantiküberquerung zu Ende ging. Es war ein echtes Erlebnis. Man konnte von sich behaupten, den Atlantik mit einem Segelschiff überquert zu haben. Und nun, Anfang März, ging es erneut los, auf große Reise über den Atlantik.
Doch dieses Mal haben wir es mit dem Nordatlantik zu tun, eine ganz andere Nummer.

Als erstes fällt auf, dass es mit zunehmender nördlicher Breite wieder kälter wird. So schön es war, anfangs der Reise in immer wärmere Zonen zu kommen, so wird es jetzt langsam aber sicher immer ungemütlicher und die Temperaturen gleichen sich denen in Deutschland mit jeder Seemeile weiter an. Das gesamte Wetter ist nicht zu vergleichen mit dem der ersten Überquerung. Wir haben auf dem Nordatlantik sehr ungleichmäßigen Wind, der häufig dreht und seine Stärke ändert.

Die Passatzone im Südatlantik hatte sehr einheitlichen Wind mit gleichbleibender Geschwindigkeit und meist sehr gutem Wetter. Bei der zweiten Überquerung müssen wir häufiger Manöver fahren, um die Thor dem Wind anzupassen. Und auf die Nutzung eines Lee-Segels, das einen großen Teil der ersten Überquerung zusätzlich im Rigg angebracht war, ist aufgrund des aufwändigen Setzens und Bergens bei diesem drehenden Wind verzichtet worden.

Außerdem fallen hier mit höherer Wahrscheinlichkeit Böen ein, was wir auch schon selbst erleben durften. Bei Böeneinfall müssen sofort alle verfügbaren Personen an Deck und die Besegelung auf „Böenfest“ ändern. Ein großes, schwer bedienbares Lee-Segel würde hier nur stören und die Sicherheit beeinträchtigen.

Der Luxus der konstanten Passatwinde existiert hier nicht mehr. Es ist viel mehr Aufmerksamkeit während der Wachen gefragt. Meist erkennt man schlechtes Wetter auch schon im Voraus. Abgesehen von den aktuellen Wetterkarten kann man Schauer und Böen auch an den Wolken erkennen. Bei einer drohenden schwarzen Wolkenfront hinter uns werden die ersten Toppsegel schon einmal geborgen, um das Schiff sturmklar zu machen.

Die Dünung ist hier ebenfalls extremer. Auf dem Weg nach Amerika waren die Wellen lang gezogen und gemächlich. Hier sind sie hoch und kurz, sodass das Schiff stark hin- und her schaukelt. An Deck sind überall Strecktaue (sehr stark gespannte Seile) und Laufleinen angebracht, um sich festhalten zu können. Bei sehr schwerem Seegang dürfen wir sogar nur mit Sicherheitsgurt an Deck. Eine Neuerung ist auch, dass erstmals ein Strecktau in der Kombüse gespannt wurde. In der Kombüse ist man schon genug mit dem Festhalten aller Kochutensilien beschäftigt, sodass Strecktaue zum eigenen Absichern sehr willkommen sind.

Natürlich ist nicht alles auf einmal anders und der Bordalltag an sich geht natürlich weiter. Trotzdem ist der Nordatlantik ein ganz anderes Abenteuer.

Zusammengefasst: Herumlaufen in Badehose, Unterricht an Deck, baden im Pool auf der Back oder sonnen auf dem Achterdeck … hier alles undenkbar. Dafür macht es eine Menge Spaß, die Gewalt des Windes und des Wassers zu spüren und mit vollem Einsatz zu segeln. Wobei man auch nicht vergessen darf, dass das Wetter auf dem Nordatlantik dieses Jahr im Vergleich zu den letzten Jahren sehr ruhig ist. Jede Etappe hat ihren eigenen Charme. Ihren eigenen Charakter. Brisant, sonnig oder flau, die perfekte Etappe ist einfach Geschmackssache.

Der Nordatlantik ist jedenfalls eine Erfahrung für sich…

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