Leben bei den Nasos

schueler.lara.docx schueler.manuelWas müssen die wartenden Naso-Familien wohl gedacht haben, als wir – verschwitzt und müde – aus dem Bus stolperten? Unsere noch vom Baru verschmutzten Trekkinghosen klebten an unseren Beinen, während sie uns in ihren saubersten Adidas Shirts begrüßten. Beide Seiten hatten sich wahrscheinlich das Auftreten der anderen deutlich anders vorgestellt. Ziemlich lustig muss es auf die indigene Bevölkerung Panamas gewirkt haben, wie wir versuchten, unsere Rucksäcke koordiniert aus dem Bus zu räumen.
Generell lässt sich sagen, dass die Nasos sehr viel Spaß mit uns hatten und zwar nicht nur beim Fußballspiel, sondern auch in der Küche. Denn natürlich gab es auch hier immer eine fleißige Backschaft, die zumindest versuchte, den Naso-Müttern zu helfen. Nur leider stellte sich ziemlich schnell heraus, dass all jenes, was die Ureinwohnerinnen spielend leicht formten, schnitten und anbrieten, uns in der Praxis ziemliche Probleme bereitete. Eines Morgens gab es zum Beispiel super leckere Teigfladen, die in Fett frittiert wurden. Man kann sagen, dass diese Gebäcke wirklich alle nur möglichen Formen annehmen, in welchen man sogar die Zukunft lesen könnte. Zumindest sahen jene Fladen, die von uns KUSis gefertigt wurden, so aus. Die Herstellung war auch gar nicht so leicht zu erlernen. Auch, wenn die Frauen dachten, dass wir uns verbesserten. Aber eigentlich lobten sie uns nur für eben jene Fladen, die wir von Nasos in die Hand gedrückt bekamen.
Und auch, wenn es ein ziemlicher Kulturschock war, sind uns sowohl die Naso-Familien, als auch die zahlreichen Tiere im Dorf sehr ans Herz gewachsen. Das wurde besonders beim Abschiedsabend deutlich. Ein letztes Mal saßen wir alle in einem großen Kreis zusammen, um in Form von kulturellen Beiträgen die eigene Kultur ein bisschen zu vermitteln. Es wurde geschuhbladdl’t, gesungen und wir tanzten traditionelle sowie Hühnertänze. Ein besonders emotionaler Moment war aber auch die Überreichung der Gastgeschenke – für beide Seiten. Während wir uns über Kunsthandwerke aus Holz und Kalebassen (große tropische Früchte, in deren Schalen man wunderschöne Muster schnitzen kann) freuten, konnten wir unsere Gastfamilien mit Seifen, Kalendern und deutschen Spezialitäten beglücken. Zum Schluss nahmen sich dann noch ein paar der Kinder ein Herz, denn sie hatten Freundschaftsarmbänder für ihre deutschen, großen Freundinnen gemacht.
Letztendlich haben wir die Nasos als ein wirklich herzliches Völkchen kennengelernt, die zwar manchmal lachen, wenn man beim Fladen machen scheitert, aber das niemals böse meinen. Sie haben einfach höhere Erwartungen an uns, da sie aufgrund unserer Schulbildung auf unser vermeintlich sehr großes Allgemeinwissen schließen. Dabei ist ihnen anscheinend nicht bewusst, dass wir zwar jederzeit die Winkel beliebiger Dreiecke bestimmen können, aber Brot backen und Teller aus Bananenblättern zu basteln nicht zu unseren Spezialitäten gehören. Weder wir, noch sie sind in irgendeiner Form klüger oder besser. Wir können einfach nur verschiedene Dinge. Deshalb, liebe KUSis der nächsten Jahre, nehmt es euch nicht zu Herzen, wenn über euch gelacht wird und kichert einfach mit.

Autoren: Lara und Manuel

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